Automatische Bahnabfertigung auf dem Container Terminal Altenwerder

/ Bahnumschlag

Automatische Bahnabfertigung auf dem Container Terminal Altenwerder

Der HHLA Container Terminal Altenwerder (CTA) hat ein Traingate eingeführt, das automatisch Bahncontainer erfasst und ihre Daten ins System einspielt. Wie funktioniert das?

Wo früher auf dem Bahnhof des HHLA Container Terminal Altenwerder sieben Gleise zur Verfügung standen, sind es nun neun – auf derselben Fläche (mehr dazu im Schwerpunkt). Um den dafür nötigen Platz zu gewinnen, wurden die Fahrspuren für Spezialfahrzeuge mit Gleisen überbaut. Mit diesen Fahrzeugen fuhren die „Checker“ genannten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter früher an den Bahnwaggons entlang und gaben die notwendigen Daten ins System ein. Für die jetzt automatische Datenerfassung mussten zahlreiche Arbeitsprozesse umgestellt werden.

Am Anfang stand der Aufbau des Traingates, eines stabilen Metalltors über den Gleisen, die zum Terminal führen. Zahlreiche Kameras, Infrarotsensoren und Laserscanner erfassen dort optisch die Tragwagen und die darauf transportierten Container. Die dabei angewendete Erkennung (Optical Character Recognition oder OCR) der Kennnummern kombiniert mehrere Arbeitsschritte miteinander.

Kameras fotografieren den Containerzug abschnittsweise von verschiedenen Seiten, unterstützt von energiesparenden LED-Strahlern, die für ausreichendes Licht sorgen. Laserscanner und Infrarotsensoren tasten die Containerwaggons ab und melden den Kameras, wann sie welche Aufnahmen machen sollen. Auf diese Weise ist auch eine Zuordnung der Bilder zu den verschiedenen Tragwagen und Containern möglich.

Die Bilder laden sich in der Software hoch, die Aufnahmen auswählt, die fotografierten Zahlenfolgen der Kennnummern einliest und die Richtung der Containertür einträgt. Falls die Bilder keine eindeutige Erkennung der Zahlenfolgen zulassen, zum Beispiel bei verschmutzten Waggons, werden die entsprechenden Felder frei gelassen.

Die Checker müssen die fehlenden Daten dann recherchieren und nachtragen. Sie tragen die Gefahrgutklasse selbst ein und kontrollieren die Boxen auf Beschädigung. Checker werden also weiterhin gebraucht. Nur bei Importcontainern, die von der Wasser- zur Bahnseite gebracht werden, müssen heute noch Checker draußen am Bahngleis die Prüfung vornehmen. Sie kontrollieren, ob die Container im Vorstau in der richtigen Reihenfolge entlang der Schienen stehen.

Für Projektleiter Dr. Jan Kolditz war die Einführung ein voller Erfolg, trotz einiger Kinderkrankheiten des Systems. „Der Hersteller Camco liefert eigentlich OCR-Komplettlösungen, arbeitet aber hauptsächlich mit US-amerikanischen Kunden zusammen. Weil Bahnverkehre dort anders funktionieren, musste Camco in enger Zusammenarbeit mit unserem Team viele Komponenten nachjustieren.“

Besonders die optische Erkennung von Containertragwagen soll noch verbessert werden. Während die Containernummer immer an derselben Stelle steht, gibt es erstaunlich viele unterschiedliche Beschriftungen bei Bahnwaggons. Die Software muss also erkennen, um welchen Typ Waggon es sich handelt und wo sich die Nummer des Tragwagens befindet. Außerdem beeinträchtigt Verschmutzung häufig die Erkennung.

Schon jetzt ist die automatische Erfassung schneller als die bisherige manuelle Methode, was eine zügigere Abfertigung des Zuges sowie eine höhere Zugfrequenz ermöglicht. Zudem senkt der Wegfall dieselbetriebener Checkmobile den Ausstoß des klimaschädlichen CO2 auf dem ohnehin schon weitgehend elektrifizierten CTA.

 

Fotos & Video zum Artikel
Das Traingate über der Bahntrasse zum CTA. Kameras fotografieren die Nummern der Container und Waggons. Projektleiter Dr. Jan Kolditz auf dem Bahnhof des CTA.