Hoch gestapelt

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Hoch gestapelt

In den neuen vollautomatischen Blocklagern auf dem Burchardkai können auf gleicher Fläche doppelt so viele Container wie in einem konventionellen Lager gestapelt werden. Dafür sorgen drei simultan arbeitende Portalkräne. Neuartige Elektro-Spreader verbessern die Ökobilanz.

Für die Erweiterung der Kapazität des HHLA Container Terminal Burchardkai (CTB) sind die automatisierten Blocklager ein wichtiger Baustein. Dadurch können die Container extrem kompakt gestapelt und die begrenzte Fläche optimal ausgenutzt werden. Auf dem CTB gibt es immer noch konventionelle Lager, in denen hochbeinige Van-Carrier die Container bewegen. Doch die Blocklager breiten sich aus. Ihre Anzahl auf dem CTB wird sich nach Abschluss der laufenden Tests von acht auf zwölf erhöhen.

Wo früher knapp 4.000 Standardcontainer (TEU) gelagert wurden, sind es dank der vier neuen Lagerblöcke jetzt 8.200 TEU. „Durch diese enorme Steigerung sind wir noch besser auf die neuen Ultra Large Container Vessels (ULCV) vorbereitet“, sagt HHLA-Vorstand Jens Hansen. „Beim Be- und Entladen dieser Großschiffe, die insgesamt 20.000 TEU transportieren können, müssen unsere Terminals Höchstleistungen bringen. Bei jedem Anlauf werden wir zwischen 11.000 und 15.000 TEU umschlagen und zwischenlagern müssen.“

Die Verdopplung der Lagerkapazität wird mit Portalkränen erreicht, die im Blocklager die Van-Carrier ersetzen. Mit dieser Technik können fünf statt – wie im konventionellen Lager – drei Boxen übereinander gestapelt werden. Zudem benötigt man in dem etwa 375 Meter mal 42 Meter großen Areal keine Fahrspuren. Jeweils drei Portalkräne bearbeiten einen Lagerblock, wobei ein großer die zwei kleineren Kräne überfahren kann. Das Zusammenspiel von drei Kränen ist so komplex und einzigartig, dass zur Steuerung eine spezielle Software für den CTB programmiert wurde.

Blocklager sparen nicht nur Platz, sie haben noch weitere Vorteile. Sie können im Dauerbetrieb arbeiten, und wenn sie wenig zu tun haben, bewegen sie einzelne Boxen auf eine von der IT errechnete optimierte Position. So wird der spätere Abholvorgang verkürzt. Durch den vollautomatischen Betrieb der Anklage sinkt zudem die Unfallgefahr.

Manuel Mrochem, bei der HHLA für die elektronische Ausrüstung der Hebezeuge verantwortlich, nennt weitere Vorteile der Anlage: „Wir konnten den Energie- und Wartungsaufwand der neuen Lagerblöcke senken.“ Begeistert beschreibt er die Eigenschaften der Kräne. „Das patentierte Fahrwerk fährt jetzt bei weniger Verschleiß spurgenauer und flexibler. Die Seile, die zum Heben der Container eingesetzt werden, werden nicht mehr umgelenkt, was ihre Lebensdauer deutlich erhöht.“

Mrochems Lieblingsinnovation ist jedoch der neuartige, umweltschonende Elektro-Spreader. Das tonnenschwere Gerät fasst jeden Container fest an seinen vier oberen Ecken, sodass die Boxen sicher bewegt werden können. Wo sich früher die Kraftübertragung auf hydraulischem Wege vollzog, arbeiten jetzt neun Elektromotoren am Spreader, vier weitere werden direkt darüber zur Feinpositionierung eingesetzt.

„Diese neuen, dezentralen Antriebe arbeiten viel ökonomischer. Wir sparen Energie, die früher für die hydraulische Kraftübertragung und den ständigen Leerlaufbetrieb zur Aufrechterhaltung des Drucks benötigt wurde“, erklärt Mrochem die Vorteile. Zudem werde kein Hydrauliköl mehr benötigt und die Schläuche müssen nicht ständig geprüft und auswechselt werden. 

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Luftbild des Burchardkais (CTB), größter Containerterminal Hamburgs. Direkt hinter einem Liegeplatz für Großschiffe entstanden vier neue Lagerblöcke. Lageplan des Burchardkais mit Blocklager (rot gekennzeichnet: die neuen Blöcke). Lkws holen Container aus dem Blocklager des CTB ab. Manuel Mrochem aus der HHLA Technik freut sich über die umweltschonenden Elektro-Spreader. Am neuen E-Spreader ersetzen dezentrale Elektromotoren die bisher hydraulische Kraftübertragung.